Praxis Dr. med.
Wolf Bergmann

Rittersporn

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Sterbebegleiter des Alten, Hebammen des Neuen:

Homöopathisches Heilen als Teil eines Not – wendigen Wandels.

Eine Danksagung an die Lebenskraft aus tiefenökologischer Sicht.

1.) „Homöopathie ist individuelle Medizin. Anschauen – Wahrnehmen – Erkennen“. Ich möchte Sie einladen, den Kern, die Weisheit dieses wunderbaren Mottos unseres Kongresses auf ein kollektives Kranksein von uns allen anzuwenden. Und damit zugleich auf das Heilungspotential, das in dieser krisenhaft sich zuspitzenden Krankheit verborgen liegt. Unser homöopathisches Verstehen und Be – Handeln kann uns dabei wertvolle Dienste leisten.

2.) Wenn wir Gesundheit als die Fähigkeit eines Systems sehen, im Lebensrhythmus von Spannung und Entspannung, von Chaos und Ordnung, von Krise und Lösung immer wieder in einen Zustand des Gleichgewichts zu gelangen (Homöostase), können wir erkennen, dass die Gesundheit eines jeden Einzelnen nicht losgelöst werden kann von der Gesundheit der Gesellschaft, in der wir leben. Das umfaßt die Denk- und Wertsysteme, unsere natürliche Umwelt, die Ökonomie, das Geldsystem, das Sozialsystem, die Religiosität usw.

3.) Wir erleben gerade die schwerste Krankheit unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems seit seinem Bestehen. Die kollabierende Konsumgesellschaft mit ihrer Wahnidee des „Immer Mehr“ und des unkontrollierten „Wachstums um jeden Preis“ ist zur akuten Gefahr für das Überleben geworden.

Die Symptome unseres sterbenden globalisierten Wirtschafts- und Gesellschafts-systems sind unübersehbar:
Dauerfinanzkrise, Sinnkrise, Ressourcenraubbau, Ressourcenknappheit, Artensterben, Anreicherung von Giften in unserer Atemluft, im Trinkwasser und den Lebensmitteln; Überschwemmung der ganzen Atmosphäre mit immer neuen unkontrollierten Wellen von biologisch wirksamen ionisierenden und nicht ionisierenden Strahlen; immer größere Massenarmut bei immer größerer Anhäufung materieller Reichtümer in immer weniger Händen, Kriege um Öl und Wasser. (aktuell Israel) Ein Wirtschaftssystem, das Hunger erschafft und daraus noch enorme Extraprofite schlägt.

Unsere industrielle Wachstumsgesellschaft wächst so, dass sie den Haushalt der
Natur und damit ihre eigene Grundlage zerstört. Sie hat die Verbindung zur eigenen
Natur und zur lebendigen Erde, von der sie ein Teil ist, verloren und zerstört das
Miteinander und die eigenen Lebensgrundlagen.  Sie zeigt alle Merkmale eines Krebswachstums. Die Global Players und ihre von ihnen ausgehaltenen Regierungen haben jeden Aspekt des Lebens zur Ware degradiert. Menschen als Arbeitskraftware, die nach Gebrauch weggeworfen wird, Patente auf Leben, Medizin als Garant von Dauerkranken, die zu Dauerkonsumenten von Pharmaka gemacht werden usw.

4.) Dazu sendet uns unser Planet in immer kürzeren Abständen immer heftigere
Stresssignale: Überschwemmungen, Tsunami, Erdbeben,Tornados, Ölpest, Brände, Erdrutsche, Hungersnöte, Flüchtlingsströme, Artensterben, Verlust fruchtbaren Bodens., immer brutalere Bruderkriege.... Die Verstimmung der Lebenskraft unseres Ökosystems und unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems schreit nach Wahrnehmen und Erkennen der Zusammenhänge, nach Innehalten und nach Heilung.

5.) Die „Therapie“ der Akteure der industriellen Wachstumsgesellschaft ist
immer die gleiche: Die Mittel, die in die Krankheit geführt haben, in immer weiter
gesteigerter Form anwenden. TINA – There Is No Alternative – „Weiter so“ ist das Credo..Mehr Markt, mehr Globalisierung, mehr Privatisierung, mehr Konkurrenz, mehr Konzentrierung von Macht und Reichtum, mehr Gleichschaltung, mehr Angst schüren und mehr Konsum. Es sind die Rezepte eines kollabierenden Systems, deren Scheitern
gnadenlos vorprogrammiert ist. All das wird inszeniert von einer Wirtschaft auf Pump,
deren Schulden niemals zurückgezahlt werden können, weder von der jetzt lebenden Generation noch von zukünftigen.

6.) Homöostase, die Fähigkeit, Krisen zu lösen und an Herausforderungen zu wachsen, hängt davon ab, Fehlentwicklungen über ein Feed –-Back - System zu erkennen und zu korrigieren. Ausblenden der Warnsignale und Symptome läuft auf ein Selbstmordprogramm hinaus. Wenn wir nicht innerlich wachsen wollen, fällt das unkontrollierte Wachstum als Krebs auf unseren Planeten und in unsere Körper und Seelen. Die größte Gefahr liegt nicht in den Symptomen. Die größte Gefahr liegt in ihrer Verdrängung. Und in der Flucht in eine Ersatzwelt aus Konsum und virtueller Scheinwelt.

7.) Was tun? Wo ist der Schatz dieses Krankseins, wo sein Heilungspotential? Wie kann aus der Krise Zukunft wachsen?
Anschauen – Wahrnehmen – Erkennen. Darin liegt ein uraltes Heilungspotential.
Es ist ein Imperativ für das Überleben. Es ist offensichtlich: es geht um den Aufbau lebenswerter und lebensfähiger Alternativen zur industriellen Wachstumsgesellschaft. Es geht darum, der Lebenskraft wieder Raum zu verschaffen. Um eine bewußte Rückkehr in das große Netz des Lebens und um Wiederverbindung (Religio) mit einem größeren Ganzen, von dem wir ein Teil sind. Um den Großen Wandel „von einer industriellen Wachstumsgesellschaft zu einer Gesellschaft...die das Leben langfristig erhält.“(*1). Um das Wahrnehmen der großen Kreisläufe des Lebens.

Ich möchte Ihnen die sog. Tiefenökologie vorstellen. (Arne Naes, Joanna Macy). Und ich glaube, dass Homöopathen sich in dieser Tiefenökologie wiederfinden können oder dass Tiefenökologie eine homöopathische Sicht- und Handlungsweise beinhaltet. Es ist eine Bewegung, in der seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts Menschen in der ganzen Welt daran arbeiten, „politische Verantwortung, ökologische Aktion, spirituelles Wachstum, ganzheitliche Wissenschaft und psychologische Krisenbewältigung miteinander zu verbinden.“(*2).

8.) Joanna Macy nennt die Arbeit mit der Tiefenökologie „Arbeit, die wieder verbindet.“
Der erste Schritt – und vielleicht der schmerzlichste wie bei jeder schweren Krankheit – ist: Anerkennen, was gerade ist. Das Wahrnehmen, was uns von uns selber, von unseren Mitmenschen und von der Natur trennt. Die Realität der Krise aushalten und sich den überwältigenden Gefühlen von Angst, Unsicherheit, Trauer, Ohnmacht, Wut und Verzweiflung stellen. „Verzweiflungsarbeit“ nennt Joanna Macy diesen Weg. Wir Homöopathen kennen - wie alle ganzheitlichen Therapeuten – das Heilende und die Freisetzung von Kraft und Vitalität, wenn das mühsam Verdrängte in einem geschützten Rahmen und unter begleitender Anteilnahme und Mitgefühl wahrgenommen und gefühlt werden darf. So stellt die Tiefenökologie heute ein reiches Instrumentarium und sehr große Erfahrung an praktischen Übungen zur Verfügung, wie in kleinen Gruppen, aber genauso in Gruppen mit mehreren Hundert Menschen in kurzer Zeit durch das Annehmen und Mitteilen und Teilen (In der Homöopathie nehmen wir unser Kranksein durch das Einnehmen des ähnlichen Mittels an. Gruppenverreibung!) der Gefühle, die uns lähmen, schwächen, krank machen und verzweifeln lassen, sich Kranksein in Gesundung wandelt.

Es geht darum, unseren infantilen Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle loszulassen, der aus der Angst vor dem Tod entspringt. Und der radikalen Realität der Unsicherheit und Unkontrollierbarkeit des Lebens ins Auge zu schauen.

„Wir glauben, so zerbrechlich und klein zu sein, dass es uns in Stücke reißt, wenn wir es uns erlauben, unsere Gefühle über den Zustand der Welt anzuschauen. Wir fürchten eine tiefe Depression oder Lähmung. Tatsächlich ist das Gegenteil richtig. Wenn wir unsere Gefühle aussprechen, merken wir, dass wir nicht isoliert sind, sondern dass dieser Schmerz weit hinausgeht über das kleine Ego und Konsequenzen hat, die jenseits unserer individuellen Bedürfnisse und Wünsche liegen. Wir erfahren dann nämlich eine Art größere Identität. Wenn wir den Schmerz, den wir für die Welt fühlen, unterdrücken, dann isoliert uns das. Wenn wir ihn akzeptieren, anerkennen und darüber sprechen, dann wird er zum lebendigen Beweis unserer Verbundenheit mit allem Lebendigen. Und er befreit unsere Hilfsbereitschaft.“ (*3).

9.) Diese Befreiung setzt Kräfte frei für einen nächsten Schritt, für eine Transformation unserer Sichtweise, unseres Wahrnehmungshorizontes hin zu einer ganzheitlichen, systemischen Sichtweise. (Paradigmenwechsel). Für uns Homöopathen vielleicht nicht so ungewöhnlich. Kollektiv aber immer noch ein großes und lebenswichtiges Thema:

„Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts war die klassische westliche Wissenschaft von der Annahme ausgegangen, dass man die Welt verstehen und unter Kontrolle bringen kann, indem man sie in immer kleinere Stücke aufspaltet, dabei den Geist von der Materie, die Organe vom Körper, die Pflanzen von ihren ökologischen Systemen trennt und jedes Teilstück für sich untersucht. Wir haben....wesentliche Fragen nicht gestellt, nämlich wie die Einzelteile zusammenwirken und kooperieren, um das Leben als Ganzes zu erhalten. Immer mehr Wissenschaftler begannen deshalb damit, mehr das Ganze anstelle der Teile, mehr Prozesse anstelle von isolierten Substanzen zu betrachten. Was sie dabei entdeckten war, dass dieses Ganze, ob es sich um Zellen, Körper, Ökosysteme oder sogar den Planeten handelt, nicht nur aus einem Haufen einzelner unverbundener Teile besteht, sondern aus dynamischen, kompliziert organisierten und ausgewogenen Systemen, die miteinander in Beziehung stehen und bei jeder Bewegung, jeder Funktion und jedem Energieaustausch wechselseitig voneinander abhängen. Der Anthropologe Gregory Bateson nannte sie „den größten Bissen vom Baum der Erkenntnis seit 2 000 Jahren“. Denn die systemische Sichtweise hat die Linse verändert, durch die wir die Realität sehen...Anstatt beliebige getrennte Einheiten wahrzunehmen, werden wir uns verbindender Ströme bewußt – den Strömen von Energie, Materie und Information“ (*4). Dieser Perspektivenwechsel bewirkt psychologisch einen Wandel vom Gefühl der Isolation und Angst hin zu Vertrauen. Wir müssen nicht mehr der Wahnidee, Kontrolle ausüben zu müssen, nachrennen. Wir können unsere Wahrnehmung erweitern und wieder teilnehmen am Ganzen. Teilhabe statt Beherrschung.

Wie ist es da aber mit der Individualität?

Das dynamische, sich selbst organisierende Ganze, sagt Joanna Macy, lebt von der inneren Vielfalt und Lebendigkeit seiner Teile. Das Paradox der Individuation: „Je mehr ich werde, was ich bin, desto mehr kann ich zum schöpferischen Teil des Ganzen werden. Also ist die Vielfalt und die Anerkennung ihres Wertes die Voraussetzung dafür, dass Wandel geschehen kann.“ (*5).

10.) Auf diese Weise die Welt mit anderen Augen zu sehen, ermöglicht uns wahrzunehmen, dass überall in der Welt der Wandel bereits stattfindet. „Eine andere Welt ist nicht nur möglich. Sie ist bereits im Entstehen. An einem stillen Tag kann ich ihren Atem hören.“ (*6).

„Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst.” So lautet eine alte tibetanische Weisheit. Unsere Wahrnehmung wird von “fallenden Bäumen” dominiert – von dem, was gewaltig ist, was schnell passiert, was uns bedroht. Unsere ganze Geschichte ist voll “fallender Bäume” : Krieg und Zerstörung...
Doch dann wundern wir uns, dass es trotz all dieser Zerstörung immer noch Leben und Vielfalt auf dieser Erde gibt. Wir erkennen daraus, dass es der “wachsende Wald” ist, auf den es letztlich ankommt. Er ist es, der das Leben fortführt – langsam und vielfältig, ganz unauffällig und doch beständig. Lasst uns nicht im Getöse der Zerstörung das langsame Entfalten des Neuen übersehen.” (*7).

Diese neue Sicht kann in uns schließlich Kräfte  für die „Arbeit, die wieder verbindet“, freisetzen, um aktiver und bewußter Teil dieses Wandels zu werden.

Für Joanna Macy findet dieser Wandel auf 3 Ebenen statt. Und wir können auf allen Ebenen als Individuum und als Homöopath mitwirken:

Die erste Ebene ist die der Aktionen, die dazu beitragen, die Zerstörung von ökologischen und sozialen Systemen so zu bremsen, dass wir Zeit gewinnen. (Politische Aktionen, Demos, Blockaden, Gesetzesinitiativen, Einmischen, friedlicher Widerstand).

Die zweite Ebene: Samen für eine lebenserhaltende Gesellschaft säen. Die Weltwirtschaft entmystifizieren. Nachhaltige Wirtschaftsmodelle, alternative Währungen, neue gemeinschaftliche Wohn- und Nutzungsformen entwickeln (Gartencoop, Chiemgauer) und als Prototypen erproben. Rettungsboote bei einem plötzlichen Kollaps.

Die dritte grundsätzliche Ebene: der Bewußtseinswandel: Was wollen wir? Was brauchen wir? Wer sind wir? Unsere Wahrnehmung neu schulen, „unsere Bedürfnisse neu formulieren, unser Selbstbildnis neu bestimmen und unsere Beziehung zur Welt überdenken und neu gestalten.“ (*8).

Wie bei jeder Krankheit und ihrer Überwindung geht es um den Schritt aus der Opferrolle hin zum eigenverantwortlichen Sich Einfügen in die Lebenskreisläufe und zu Akteuren des Wandels. Was bei diesem Wandel stirbt, ist die alte Sicht- und Handlungsweise. Was wir gewinnen, ist die „existentielle Sicherheit, Teil eines Systems zu sein, was uns als Netz des Lebens trägt, wenn wir es nicht vernichten.“ (*9).

Was aktuell in der globalen Krise passiert, ist wahrhaftig beängstigend. Eine Konfrontation mit den radikalen Mysterien des Lebens. Und zugleich birgt es so viele Möglichkeiten wie nie zuvor.

„Ich sehe die Welt als Geliebte und als Teil meiner selbst. Deshalb möchte ich das Bild der Furcht auf den Kopf stellen. Wer liebt, der ist dankbar. Ich bin dankbar, in einer Zeit zu leben, in der wir Zeugen eines fundamentalen kulturellen Wandels werden und sogar an ihm mitwirken können. Außerdem ist die Haltung der Dankbarkeit gegenüber dem Leben mit all seinen Herausforderungen und Krisen ein zutiefst subversiver Akt. Denn wenn wir dankbar sind, lassen wir uns nicht mehr einlullen von den leeren Versprechungen der Konsumgesellschaft, sondern öffnen uns für das, was da ist und kommen will.“ (*10).

11.) Ziele der Arbeit, die wieder verbindet:

„Das Hauptziel der Arbeit, die wieder verbindet, ist es, Menschen dabei zu helfen, ihre natürlicherweise bestehenden Verbindungen untereinander und mit den systemischen Selbstheilungskräften im Netz des Lebens zu entdecken, sie zu erfahren und so ermutigt und motiviert zu werden, ihren Teil zur Schaffung einer zukunftsfähigen Zivilisation beizutragen.

Deshalb verfolgen wir mit der Arbeit, die wieder verbindet, folgende Ziele:

  • Menschen Gelegenheit zu geben, ihre tiefsten inneren Reaktionen auf die gegenwärtigen Zustände in unserer Welt zu erfahren und sich mit anderen Menschen darüber auszutauschen.
  • Menschen die Chance zu bieten, ihren Schmerz um die Welt neu zu definieren: als Beweis für ihr wechselseitiges Verbundensein im Gewebe des Lebens und damit für ihre Kraft und Fähigkeit, an der Heilung mitzuwirken.
  • Konzepte aus der systemischen Sicht, der Tiefen Ökologie und aus spirituellen Traditionen anzubieten, die Licht auf diese Kräfte und Fähigkeiten werfen, sowie Übungen, die den Menschen die Rolle dieser Kräfte und Fähigkeiten in ihrem eigenen Leben offenbaren.
  • Methoden zu vermitteln, durch die Menschen ihre wechselseitige Verbundenheit mit, ihre Verantwortung für und die Inspiration durch die Generationen der Vergangenheit und der Zukunft und auch durch nicht-menschliche Lebensformen erfahren können.
  • Menschen zu befähigen, den Großen Wandel als eine Herausforderung anzunehmen, der sie – auf je unterschiedliche Weise – ganz und gar gewachsen sind, und als ein Privileg, das sie mit Freude erfüllt.
  • Menschen zu befähigen, sich gegenseitig darin zu unterstützen, klare Absichten zu fassen und sich gemeinsam für die Heilung der Erde zu engagieren.“ (*11)

12.) Spüren Sie Resonanz? Fühlen Sie Ähnlichkeit? Haben wir Homöopathen nicht eine wunderbare Wissenschaft und Kunst, diesen Wandel bewußt wahrzunehmen und uns aktiv mit unserer Erfahrung und unseren Heilmitteln einzubringen? Ist es nicht wunderbar ermutigend, Heilen nach homöopathischen Gesetzen auf so vielen verschiedenen Ebenen gerade auch außerhalb unserer eigenen Kreise erleben zu dürfen?

Von ihrer ganzheitlichen, das Individuelle achtenden und stärkenden Sicht- und Handlungsweise her kann homöopathische Heilkunst  Menschen anregen und ermutigen, die eigenen Krankheitszeichen und damit auch die der Gesellschaft zu erkennen, in ihrer Ganzheit anzunehmen und in ihrer Sprache Hinweise auf Heilung und Lösung zu suchen und zu finden. Jede Krankheit ist in dieser Sichtweise ein Aufruf zu Wandlung, Transformation, zu Wachstum. Und ein Aufruf, aus der Opferrolle herauszutreten und in selbstbewußtes, solidarisches und authentisches Handeln zu kommen.

Der „Einzelne kann zwar nicht den „großen Wandel“ verkörpern, aber einen „kleinen Wandel“, der durch Multiplikation und Resonanz wirksam wird – eine Resonanz, die sich über Handlung und Worte ausdrückt.“ (*12). 302 Und: „der einzige Weg zur Lösung eines globalen Problems sind weltweite lokale Lösungen.“ (*13).

Dass Homöopathie solange nicht nur  „überlebt“ hat, sondern sich auf so vielfältige und wunderbare Weise entfaltet und verbreitet, ist eine großartige Ermutigung. Und ich bin voller Dankbarkeit, dass die Lebenskraft so etwas hervorgebracht hat und dass wir daran Teil haben dürfen. Und dass wir nicht damit allein stehen.

Ich glaube auch, daß es an der Zeit ist, dem alten System zu danken und es zu ehren! Es hat uns hervorgebracht und wir sind ein Teil von ihm. Damit es in Frieden und weniger in zerstörerischer Agonie gehen  kann und wir es gehen lassen können.

Aude sapere – wage es, weise zu sein - ist in der jetzigen Krisenzeit über - lebenswichtig. Dabei sind wir in der sich wandelnden Welt nicht allein. Täglich werden es mehr Menschen, - in jedem Land, in jeder Bevölkerungsschicht, mit jedem Bildungsgrad -, die Weisheit und kraftvolles Handeln wagen. Wir lesen und hören und sehen es nicht in den mainstream Medien. Aber es ist nicht zu übersehen, wenn wir unsere Sinne und Herzen dafür öffnen. Dazu möchte ich uns alle ermutigen und begeistern.

„Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.“ (*14).

Quellenangaben un d Literatur:

*1.) Joanna Macy: „Sterbebegleiter für das Alte sein – und Hebammen für das Neue“
        in: Geseko von Lüpke: „Zukunft entsteht aus Krise.“ München 2009, S. 176
*2.) dies.. S. 161.
*3.) dies.. S. 162
*4.) dies.. S. 165 / 166
*5.) dies.. S. 169
*6.) Arundhati Roy. Zitiert in: Joanna Macy: „Geliebte Erde, gereiftes Selbst. Mut zu  
      Wandel und Erneuerung.“ Paderborn 2009, S. 15.
*7.) Hans Peter Dürr.: „Warum es ums Ganze geht. Neues Denken für eine Welt im 
      Umbruch.“ München 2009. Umschlagstext.
*8.) Joanna Macy. a.a.O. S. 177
*9.) dies. S. 179
*10.) dies. S. 180
 *11.) Joanna Macy, Molly Young Brown: „Die Reise ins lebendige Leben. Strategien     
          zum Aufbau einer zukunftsfähigen Welt.“ Paderborn 2003. S. 75.
*12.) Vandava Shiva: „Die Krise wird uns zur ökologischen Landwirtschaft zwingen.“
        In: Geseko von Lüpke. a.a.O. S. 302
*13.) dies. S. 291
*14.) Die Rede der Hopi – Ältesten. Oraibi, Arizona. Hopi – Nation.
        Sonntag, d. 2.12.2001.

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